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Unsere MicroUnit in Gotha: ein Beispiel gelebter Inklusion

 In der Invitel Unternehmensgruppe arbeiten die unterschiedlichsten Menschen mit verschiedenster Herkunft, Hautfarbe und körperlicher Voraussetzung – also mit oder ohne Behinderung. Denn bei uns haben alle die gleichen Chancen, wir (er)leben Inklusion jeden Tag. Umso schöner, dass auch in unserer neuen MicroUnit in Gotha, die im vergangenen Juni entstand, gleich zwei Mitarbeiter mit einer Behinderung Kundenanliegen bearbeiten. Ein Grund heute einmal den Standort und unsere beiden Kollegen kurz vorzustellen:

Bei der Suche nach der richtigen Immobilie für unsere MicroUnit in Gotha war ein ausschlaggebendes Kriterium die Zentrumsnähe. Zusätzlich stellte sich aber als ein besonderer Pluspunkt des Löfflerhauses, an dem unsere Gothaer MicroUnit nun verortet ist, heraus, dass diese Immobilie auch behindertengerecht gestaltet war: Der gesamte Arbeitsbereich sowie die Büroräume sind ebenerdig. Zudem ist auch der Eingangsbereich rollstuhlgeeignet, was den Standort damit komplett barrierefrei erreichbar macht.

Eine neue Chance bei Invitel

beide-torsten_150Optimale Bedingungen also für Mitarbeiter mit einer (Schwer-)Behinderung und damit ideal für Torsten Rink und Torsten Pflugbeil – unsere zwei Kollegen vor Ort, die einen Behinderungsgrad (GdB) von 50 bzw. 20 % haben. Mit dem Start der MicroUnit im Sommer 2017 wurde Torsten Rink, der wegen einer Verletzung in seinem Dienst bei der Bundeswehr nur noch sitzende Tätigkeiten verrichten kann, eines der ersten Teammitglieder in Gotha. Die Stelle als Kundenberater am Telefon kam ihm sehr gelegen: Er arbeitete bereits einige Jahre in der Branche, aber als er hörte, dass in seiner Heimatstadt ein neues, kleineres Center eröffnete, hat der 46-Jährige nicht lang „gefackelt“ und sich gleich bei uns beworben. Er musste nämlich in seiner früheren Anstellung jeden Tag nach Erfurt pendeln, was ihm immens Zeit gekostet hat. Im Bewerbungsgespräch überzeugten beide Seiten, sodass Torsten als Kundenberater bei uns anfing. „Ich muss sagen, dass ich nach meiner Verletzung eigentlich nie Probleme hatte, einen Job zu finden – vor allem im Call Center-Bereich. Ich habe ja auch keinerlei Beeinträchtigung wegen meiner Behinderung im Job. Ich brauche ja im Prinzip nur meine Hände und meine Ohren.“

Anders erging es Torsten Pflugbeil, der im November 2017 zu uns stieß. Der gelernte Werkzeugmacher konnte nach einem Arbeitsunfall im Jahr 2000 nicht mehr in seinen alten Beruf zurückkehren. Da er eine Gehstütze für die alltäglichen Wege benötigt, kamen für ihn auch nur noch sitzende Tätigkeiten in Frage. Es folgten einige Jahre der Arbeitslosigkeit bzw. eher kürzere Anstellungen. Bis ihm dann im letzten Jahr eine Bekannte, die bereits in der MicroUnits Gotha arbeitete, von der Invitel Unternehmensgruppe erzählte und er seine Chance ergriff. „Ich hatte das Gefühl, dass mich wegen meiner Behinderung niemand so richtig einstellen wollte. Als ich die damalige Leitung vor Ort kennenlernte, sprach sie mich gleich offen auf meine Behinderung an und machte deutlich, dass das für die Invitel Unternehmensgruppe kein Problem sei – ganz im Gegenteil sogar. Das hat mir sehr gefallen. Das Vorstellungsgespräch lief dann auch super. Und nun bin ich hier und wirklich glücklich“, freut sich der 50-Jährige Gothaer.

Flexibilität und Wohlfühlatmosphäre am Standort

Beiden fühlen sich bei ihrer Arbeit wohl. Zusätzlich zur angenehmen Arbeitsatmosphäre überzeugen vor allem die Nähe zum Zuhause und der damit verbundene kurze Arbeitsweg – neben dem netten Chef versteht sich. Torsten Pflugbeil freut sich zudem besonders auch über die Flexibilität bei den Arbeitszeiten: „Ich bin so froh und dankbar, dass mir gleich angeboten wurde, auch verkürzt arbeiten zu können. Ich pflege meinen Vater, was bei einem 40-h-Job nicht möglich wäre.“

„Wir versuchen allen Mitarbeitern – ob nun mit oder ohne Behinderung bei den Einsatzzeiten entgegenzukommen, wenn dies projektseitig möglich ist“, erklärt Lars Leber, Leiter in Gotha und damit Ansprechpartner für seine Mitarbeiter vor Ort. Er ist auch sehr glücklich über seine „beiden Torstens“: „Sie haben sich prima im Team eingelebt, fühlen sich sehr wohl bei uns. Das merkt man. Sie bearbeiten professionell und routiniert Störungsmeldungen ebenso wie Kundenanfragen und auch im Sales überzeugen beide. Torsten Rink, der ein Kind der ersten Stunden hier bei uns ist, war Ende 2017 sogar einer der Prämienüberflieger im Inbound – das macht uns mächtig stolz am Standort.“

Jeder ist willkommen!

Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch ganz natürlich dazugehört – ohne Wenn und Aber. Neben den wichtigen gesetzlichen Bestimmungen, wie dem behindertengerechten Gestalten des Arbeitsplatzes/Arbeitsstätte oder auch dem Mehrurlaub, liegt es uns deshalb besonders am Herzen, Mitarbeitern mit einem Handicap tagtäglich genau dieses Gefühl zu geben. Jeder Mitarbeiter – egal ob mit oder ohne Behinderung – leistet bei uns entsprechend seinen Stärken und Kompetenzen wertvolle Arbeit und damit einen wichtigen Beitrag zum gesamten Unternehmenserfolg. Das schätzen wir sehr. Die MicroUnit in Gotha wie auch alle anderen unserer Standorte der Invitel Unternehmensgruppe freuen sich deswegen auf jeden neuen Mitarbeiter, ob mit Handicap oder ohne. Bei uns stehen jedem alle Türen offen – offen, ehrlich und menschlich.

 

Inklusion – Wie wird man eigentlich Schwerbehindertenvertreter?

Die Invitel Unternehmensgruppe hat aktuell 22 Standorte, an denen insgesamt mehr als 2.400 Mitarbeiter beschäftigt sind. 117 davon sind schwerbehindert oder gleichgestellt. Diesen Mitarbeitern in allen Belangen beizustehen und ihre gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsleben in der Invitel Unternehmensgruppe unterstützen, das ist die Aufgabe unserer Schwerbehindertenvertreter. Wir haben in einigen vorherigen Beiträgen bereits über ihre Aufgaben und ihren Alltag berichtet. Nun wollen wir einmal einen Blick darauf werfen, wie man überhaupt Schwerbehindertenvertreter werden kann. Und was macht einen guten Schwerbehindertenvertreter aus?

Bevor wir den Menschen selbst ansehen, der diese prinzipiell ehrenamtliche Tätigkeit ausübt, betrachten wir die betrieblichen Voraussetzungen, die vorliegen müssen, damit dieses Amt überhaupt geschaffen werden kann. Da sind zum einen Zahlen, die erfüllt werden müssen: Mindestens fünf, nicht nur vorübergehend angestellte Schwerbehinderte oder Gleichgestellte müssen im Betrieb angestellt sein. Wenn dies so sein sollte, dann ist der nächste Schritt, dass der Betriebsrat vor Ort eine Wahl anberaumt und durchführt. Aufstellen lassen zur Wahl darf sich jeder aus dem Unternehmen, der 18 Jahre alt ist, mindestens sechs Monate dabei ist und keine Leitungsposition innehat. Die Person muss auch nicht selbst eine Behinderung haben, um gewählt werden zu können. Den Schwerbehindertenvertreter wählen, das dürfen dann nur die schwerbehinderten Arbeitnehmer des Betriebes und die ihnen gleichgestellten. Dabei müssen alle Vorschriften zur Wahl, die in der SchwbVWO (SchwerbehindertenVertretungsWahlOrdnung) festgelegt sind, ganz genau eingehalten werden. Andernfalls kann die Wahl mitunter nicht gültig sein. Die Amtszeit beträgt im Regelfall vier Jahre.

Wenig überraschend sind wohl die beiden Hauptanforderungen an den Menschen, der diese Position im Unternehmen besetzen soll: die fachliche und die menschliche Eignung.

Der Schwerbehindertenvertreter ist eine Vertrauensperson für diejenigen, die sich an ihn wenden. Er unterliegt der Schweigepflicht, auch über seine Amtszeit hinaus. Warum das so ist? Für manch einen ist es vielleicht ein großer Schritt, sich mit seinen körperlichen Befindlichkeiten, mit denen ja fast immer auch eine gewisse seelische Belastung einhergeht, überhaupt jemandem zu offenbaren. Was der eine selbstbewusst und offen trägt, ist für einen anderen möglicherweise nichts, was er mitteilen möchte. Es bedarf also eines großen Vertrauens, um dies jemandem mit der Hoffnung auf Unterstützung anzuvertrauen. Ein weiterer Faktor kann die Angst vor Mitleid oder Vorverurteilung sein („Der kann ja gar nicht so viel leisten, dann muss ich seine Arbeit noch mit machen…“), sowie die Sorge, durch den Arbeitgeber Repressalien zu erfahren. Letzteres ist zumindest hier in der Invitel Unternehmensgruppe überhaupt nicht notwendig, aber dennoch eine mentale Hürde, die überwunden werden muss. Der Schwerbehindertenvertreter befindet sich dementsprechend an einer hoch sensiblen Stelle und benötigt viel Fingerspitzengefühl, um dieser verantwortungsvollen Rolle gerecht zu werden. Darüber hinaus kann auch ein gewisses „Helfersyndrom“ nicht schaden, denn auch die praktische Unterstützung in vielen Belangen wird von ihm erwartet. Schließlich muss die Person noch über ein wenig diplomatisches Geschick verfügen, denn auch das Vermitteln zischen den Interessen unterschiedlicher Parteien, im eigenen Unternehmen oder mit Behörden usw., gehört sozusagen zur Jobbeschreibung.

Ein SBV, der empathisch ist und toll zuhören kann, nützt aber niemandem etwas, wenn er sich nicht mit der Materie auskennt. Darum muss die menschliche Eignung von einem soliden Fachwisssen ergänzt werden. Es ist eine nicht gerade geringe Basis an rechtlichen Kenntnissen notwendig, möchte man den behinderten Menschen im Unternehmen ernsthafte Hilfestellung leisten. Die Arbeitsgrundlage ist prinzipiell das neunte Sozialgesetzbuch (SGB IX). Dazu gibt es das Bundesteilhabegesetz, welches beispielsweise die Rahmenbedingungen für die Arbeit der Schwerbehindertenvertretung festlegt und außerdem derzeit in mehreren Stufen aktualisiert wird. Die Vertrauensperson und ihre Stellvertretung haben beide einen gesetzlichen Anspruch auf Schulungen, wenn dort Kenntnisse vermittelt werden, die für die Erfüllung ihrer Aufgabe erforderlich sind und die sie noch nicht haben. Konkret sollte sich jede SBV in diesen Themenbereichen gut auskennen:

  • Kenntnisse über ihre eigenen Aufgaben, Rechte und Pflichten
  • Kenntnisse aus dem SGB IX zum Recht der schwerbehinderten Menschen und
  • Kenntnisse zu den damit zusammenhängenden Rechtsgebieten
  • Grundlagenkenntnisse des Arbeits- und Betriebsverfassungs- bzw. Personalvertretungsrechts
  • Kenntnisse in betriebswirtschaftlichen, technischen und arbeitsmedizinischen Bereichen

Anbieter für Schulungen, Seminare und Zertifikate gibt es viele, das Integrationsamt, die IHK, private Weiterbildungsinstitute und dergleichen – schone eine kurze Google-Suche zeigt die Fülle an Optionen. Eine Pflicht gibt es nicht, was notwendig ist, entscheiden SBV und Arbeitgeber gemeinsam.

Das klingt alles ziemlich abstrakt und nach Paragraphenreiterei? Mag sein, aber all dieses Wissen hat große praktische Bedeutung. Wenn es beispielsweise darum geht, kompetent bei Anträgen zu helfen oder die Wiedereingliederung zu gestalten, ist es von großem Vorteil, auch die Details zu kennen. Wie bereits gesagt, die Verantwortung für den eigenen Wissensstand hat jede/r SBV selbst. Stefan Schulze beispielsweise, der SBV aus Helmstedt, macht das am liebsten in Eigenregie und liest viel. Zum aktuellen Stand in seinem Betrieb sagt er: „Prinzipiell wird hier wirklich viel von ganz allein getan und umgesetzt, da muss ich niemandem auf die Finger klopfen. Ehrlichkeit, Menschlichkeit stefan-schulze-websiteund Offenheit prägen auch hier das Miteinander zwischen (Schwer-)behinderten, Gleichgestellten und Gesunden, zwischen Mitarbeitern und Führungskräften. Aber das macht diese Position nicht entbehrlich, im Gegenteil. Das Erreichte muss bewacht werden und Unterstützung brauchen meine Klienten nichtsdestotrotz. Es ist sinnvoll, genau zu schauen welche Hürden es gibt für die Behinderten und Gleichgestellten am Arbeitsplatz, die vielleicht sonst niemand sieht. Ich bin so ein wenig auch das Auge des Arbeitgebers, mit dem er die besonderen Bedürfnisse meines Klientels sehen kann.“

Jens Mesenbring, der Braunschweiger SBV, bevorzugt ebenfalls das Selbststudium. Er hat sich beispielsweise intensiv mit jens-mesenbring_website1den Änderungen auseinandergesetzt, die das Bundesteilhabegesetz für das Schwerbehindertenrecht mit sich bringt. Besonders freut er sich über die Verbesserung der Arbeitsmöglichkeiten der SBV. Eine solche Verbesserung ist zum Beispiel die vereinfachte Fortbildungsmöglichkeit auch für die Stellvertretung – das war vorher nur unter Einschränkungen möglich. Davon könnte nun seine noch frische Kollegin Susanne Gorzel profitieren.

Es gibt also beste Voraussetzungen in der Invitel Unternehmensgruppe, mit (schwer-) behinderten und ihnen gleichgestellten Mitarbeitern gemeinsam zu wachsen!

 

Gelebte Vielfalt, Teil 2: Inklusion meets BEM

StefanIn unserem ersten Blog zum Thema Inklusion berichteten wir schon ein wenig über die Arbeit der Schwerbehindertenvertreter. Diese bilden intern die Schnittstelle zwischen Arbeitnehmern mit Handicap und Arbeitgeber, um gemeinsam die richtigen Rahmenbedingungen für das Arbeitsverhältnis zu schaffen. Heute wollen wir noch ein bisschen tiefer eintauchen in die Materie, und dafür haben wir uns mit Stefan Schulze getroffen, seines Zeichens Agent und Schwerbehindertenvertreter (SBV) in Helmstedt.

Als Diabetiker selbst „schwerbehindert“ eingestuft, kümmert sich der gewählte Vertreter der (schwer-) behinderten Arbeitnehmer am Gründungsstandort von Invitel darum, dass diese unter adäquaten Rahmenbedingungen ihrer Arbeit nachgehen können. Im Gespräch erfuhren wir, was so alles dazugehört. Eine neue, große Rolle spielt dabei auch das kürzlich eingeführte BEM: das betriebliche Eingliederungsmanagement. Dieses sieht vor, dass Mitarbeiter, welche innerhalb von zwölf Monaten länger als 6 Wochen krankgeschrieben waren, mit Vertretern des Arbeitgebers ins Gespräch kommen. Ziel ist es herauszufinden, welche Maßnahmen im betrieblichen Rahmen des Jobs zur Aufrechterhaltung der Gesundheit beitragen können und diese gemeinsam umzusetzen. Stefan gehört auch zum „BEM-Team“ Helmstedt. 

Stefan, bevor wir richtig loslegen – was hat dich motiviert, dieses Amt des SBV zu übernehmen?

Der Wunsch, den Betriebsrat zu unterstützen. Meine Wirkungsmacht ist natürlich eingeschränkt, ich kann nicht alles verändern. Aber ich kann anfangen, „vor meiner eigenen Haustür zu kehren“, wie man so schön sagt. Nun gehe ich erst mal kleinere Dinge Schritt für Schritt an, um etwas zu erreichen. Und das geht in einem Gremium wie dem Betriebsrat auch besser, als als Einzelkämpfer. Man bekommt viel mehr Dinge mit und kann versuchen, konstruktiven Einfluss zu nehmen, wie z.B. in Sachen BEM.

Was hat das BEM mit deinem Job als Schwerbehindertenvertreter zu tun?

Beides, das betriebliche Eingliederungsmanagement und die Fürsorge für behinderte Mitarbeiter sind Teile des Gesundheitsmanagements eines Unternehmens, welches gesunde Mitarbeiter haben möchte und welches auch die Krankenquote senken möchte. Im Zuge des BEMs kann man Präventivmaßnahmen ergreifen, z.B. durch eine Gefährdungsbeurteilung der einzelnen Sitzplätze. In Helmstedt laufen bereits Bemühungen dahingehend. Es gab hier eine Mitarbeiterbefragung, die ausgewertet wurde und aus der Maßnahmen abgeleitet werden. Das Ergebnis ist erst einmal ein großer Wunsch nach einem ergonomischen Arbeitsplatz. Stress entsteht nämlich nicht nur durch vorgegebene Zeiten für Calls, sondern kann im gesamten Umfeld liegen. Alle Themen, die aufkamen, werden nun nach und nach abgearbeitet. Das greift natürlich nicht sofort, aber die Mitarbeiter spüren, dass da etwas passiert. Sie stellen fest, dass die Befragung etwas bringt, Stück für Stück, und dass es umgesetzt wird.

Wie läuft das BEM an?

Das Ganze ist ja noch nicht richtig eingeführt, darum kann man dazu noch gar nicht viel sagen. Es ist manchmal auch etwas schwierig für die einzelnen Kollegen, so lange am Ball zu bleiben, bis die notwendige Anschaffung getätigt wurde, da muss ja ein Prozess eingehalten werden. Da die Beschaffung zentral läuft und kein Mitarbeiter mit den entsprechenden Kompetenzen vor Ort ist, erfordert das schon mal einen langen Atem. Hilfreich wäre es zum Beispiel, wenn die Geschäftsführung jemanden benennt, der als Schnittstelle zum BEM-Team am Standort ist und gebündelt mit Befugnissen solche Belange vorantreibt.

HEader Collafe

Wer ist das BEM-Team?

Das BEM-Team kann verschiedenartig zusammengesetzt sein. Es kann z.B. einen Paten geben, vielleicht den Tischnachbarn des Kollegen, der länger weg war und der ihn bei der Umsetzung der BEM-Gesprächsinhalte unterstützt. Es kann auch sein, dass der FASi (Fachkraft für Arbeitssicherheit) von extern dazukommt und die Umsetzung checkt (Platz einstellen). Das kann natürlich auch der Teamleiter sein oder nach Wunsch der Arzt – alles, damit die Person wieder in Arbeit kommt und dem Unternehmen lang erhalten bleibt. Auch ich als SBV stehe zur Verfügung, oder jemand ganz anderes – und wenn es ein Freund vom Sport ist, dem man die nötige Fachkompetenz zutraut. Es kommt komplett darauf an, was vereinbart wurde, wie es dann umgesetzt wird, um die Arbeit leisten zu können.

Was genau kannst du tun für jemanden, der deine Hilfe sucht?

Nun, nehmen wir folgendes Beispiel: Eine Kollegin mit einem Rückenleiden benötigt ein spezielles Keilkissen für ihren Arbeitsplatz. Ich trete in Kontakt mit dem Integrationsamt und finde heraus, inwieweit es Hilfestellung leisten kann. Die Information ist, sie zahlen solche Anschaffungen, aber erst ab einem Wert von 500€. Wäre es so teuer, ginge der Prozess dort weiter. Eine Gefährdungsbeurteilung müsste erstellt werden, die den Bedarf bestätigt. Denn es könnte ja theoretisch auch an etwas anderem liegen: sitzt der Mensch richtig, ist der Rechner richtig gestellt usw. Steht diese Beurteilung für die Anschaffung des Kissens, geht es rein in unsere Prozesse, denn es kostet nur 30 Euro und wird nicht vom Integrationsamt gezahlt. Es wird an die Projektleitung gegeben, diese reicht es weiter an Personal. Personal hat Bedenken, weil der Arbeitnehmer das Kissen ja auch mit nach Hause nehmen könnte. Und an der Stelle kommen wir erst einmal nicht weiter. Gehe ich den Weg über BEM, weil der Mensch die sechs Wochen krank war, ist es aussichtsreicher, weil die Geschäftsführung einen Entscheider bestimmt und Ziele festgelegt hat. Bei beiden sind die Prozesse noch nicht gefestigt, es ist nicht immer ganz eindeutig, welche Informationen wo ankommen, was damit geschieht und wie die Entscheidungen getroffen werden, nach welchen Prioritäten. Inzwischen beschäftigt sich die Standortleitung mit diesem Kissen…

Praktisch versuche ich dann, vieles auch außerhalb der Arbeitszeiten zu regulieren, wenn es geht, oder mal nebenbei. Dann bin ich bei den Betriebsratssitzungen immer mit dabei. Daraus ergeben sich auch Aufgaben, die ich erledige. Dabei helfen mir meine Kontakte in den anderen Stellen, die sich mit Inklusion beschäftigen, zum Beispiel mein Ansprechpartner beim Integrationsamt in Hildesheim, welches für uns zuständig ist.

Was ist einem behinderten Menschen, der einen Job sucht, wichtig?

Mir wäre wichtig, dass ich in ein offenes Team aufgenommen würde, das mich und meine Behinderung akzeptiert und auch tatsächlich in bestimmten Situationen Rücksicht nehmen kann. Inklusion bedeutet ja aber auch miteinander und voneinander zu lernen. Alle Seiten können von dieser Situation profitieren. Hier vor Ort haben wir z.B. auch noch andere Diabetiker, das ist super. Da gibt es viel Austausch. Kürzlich war eine Kollegin schwanger und hatte Sorge, sie könnte von Schwangerschaftsdiabetes betroffen sein. Da konnten wir natürlich hilfreich zur Seite stehen. Aber das geht natürlich nicht so einfach mit jeder Art von Behinderung. Bei einer Depression müsste ich schon länger überlegen, wie davon jemand profitieren kann, da kommt man auch nicht mit Galgenhumor sehr viel weiter. Ein Burnout ist ebenfalls schwierig. Der Stress hat den Menschen ausgebrannt, er „funktioniert“ nur noch und auch das nur noch gerade so. So eine Krise ist heftig und nicht leicht zu bewältigen, denn zusätzliche Ängste, z.B. vor einem möglichen Arbeitsplatzverlust aufgrund der Krankheit (krankheitsbedingte Kündigungen sind bundesweit sehr häufig), wird es immer schlimmer. Die Person muss erst einmal rausgenommen werden. Aber sie ist ja geschult, es wurde in sie investiert. Auch wenn besonders Burnouts wieder „verheilen“ können, so dauert das. Da ist es schön, wenn der Mitarbeiter zurückkommen kann, dann das BEM greift und der Mitarbeiter abgeholt wird. Er soll wieder hineinfinden in seinen Job und Spaß daran haben, er soll wieder durchstarten und Teil des Ganzen sein.

Das Gespräch mit Stefan drehte sich aber auch noch um ganz andere Themen. Was wir noch besprochen haben, gibt es in an anderer Stelle demnächst zu lesen!

 

Gelebte Vielfalt: Inklusion – Teil I

Ein attraktiver Arbeitgeber sein – das ist per se schon ein hehres Ziel, auch unter normalen Umständen. Was aber, wenn es die Umstände erfordern, „anders als normal“ zu sein? Mit „normal“ ist diesem Fall gemeint, Routine, 08/15, sozusagen. „Anders als normal“ ist dann alles, was diesen engen Definitionskorridor ausweitet. Also etwas sehr Wünschenswertes! Die Rede ist von unseren Bemühungen, ein angenehmes Arbeitsumfeld zu schaffen – und zwar für alle unsere Mitarbeiter, auch für diejenigen mit körperlichen Beeinträchtigungen. In der ganzen Invitel Unternehmens-gruppe treiben wir das Thema Inklusion von Menschen mit Handicap voran und fokussieren die Bedürfnisse dieser Mitarbeitergruppe stärker bei internen Angelegenheiten und auch bei der Rekrutierung. Unser Ziel ist es, behinderten Mitmenschen einen attraktiven Arbeitsplatz zu bieten und das Miteinander aller Kollegen zu fördern.

Inklusion wird als eine Aufgabe für alle Unternehmensbereiche begriffen, in besonderem Maße setzt sich jedoch zunächst das Personalwesen damit auseinander. In diesem Zusammenhang sind die Verantwortlichen in enge Kooperation mit dem Integrationsfachdienst (IFD) getreten, welcher als Schnittstelle für behinderte Menschen und Arbeitgeber fungiert. Die Zusammenarbeit mit dem IFD ist sehr wertvoll für uns, da er uns als Ansprechpartner rund um die Thematik Inklusion jederzeit zur Seite steht und wir gemeinsam versuchen, Menschen mit Behinderung bei uns in Beschäftigung zu bringen. In Kooperation mit dem Integrationsamt ist es uns möglich, Arbeitsplätze behindertengerecht anzupassen und teilweise sogar neue Arbeitsplätze zu schaffen. Zusätzlich stehen auch Reha-Träger als Kooperationspartner zur Verfügung, über welche beispielsweise besondere Arbeitsmaterialien beschafft werden können. 

Wir möchten erreichen, dass die Menschen mit Behinderung, die auf der Suche nach einer Beschäftigung sind, ein Service Center als Arbeitgeber nicht von vornherein als „nicht behindertengerecht“ ausschließen. Alle drei Marken in der Unternehmensgruppe, Invitel, Simon & Focken und SALESkultur, beschäftigen bereits Mitarbeiter, die in unterschiedlich starken Ausprägungen eingeschränkt sind. Ansprechpartner für die Kollegen mit Behinderung sind seit einem Jahr auch die Schwerbehindertenvertreter im Unternehmen. Einer von Ihnen ist Jens Mesenbring, selbst auch schwerbehindert. Seine Aufgabe ist es, gegenüber dem Arbeitgeber die Interessen derjenigen zu vertreten, die schwerbehindert sind oder es zu werden drohen. In dieser Funktion nimmt er unter anderem an den wöchentlichen Betriebsratssitzungen teil und bietet regelmäßige Sprechzeiten an. Er ist Berater und Begleiter, kennt sich in bürokratischen Dingen aus und nimmt seine Schnittstellenfunktion sehr ernst: „Wenn zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ein positives, von Vertrauen geprägtes Verhältnis herrscht, kann man gemeinsam viel erreichen. Oft sogar mehr, als anfangs zu erwarten war. Ich kann dabei helfen, die durch Unsicherheit und Wissenslücken entstehenden Barrieren im Kopf abzubauen.“

Susanne G. (24) gehört bereits seit 2014 zu unseren Mitarbeitern mit Handicap. Zunächst über einen Personaldienstleister bei Simon & Focken in Braunschweig angestellt, wurde sie wenig später fester Teil der Mannschaft. Nachdem Susanne ihre Ausbildung zur  Bürokauffrau bereits im Jahr 2010 abgeschlossen hatte, gestaltete sich die Arbeitssuche danach zäh. Sie nutzte die Zeit konstruktiv, indem sie sich über Weiterbildungen und Praktika zusätzlich qualifizierte. Dass die Suche so lang gedauert hat, ist nicht eindeutig auf ihre Gehbehinderung zurückzuführen. Jedoch tauchte nach dem einen oder anderen Bewerbungsgespräch, für welches sie auf Krücken etliche Treppen überwunden hatte, doch der Verdacht auf, dass man sich nicht mit einer behinderten Mitarbeiterin belasten wollte.

Susanne ist nicht jeden Tag im Rollstuhl. An den anderen Tagen trägt sie eine Orthese am linken Bein und bewegt sich mithilfe von Krücken fort. Es waren weniger Anpassungen an ihren Arbeitsplatz notwendig, als vielleicht vermutet wurde. Zwei kleine Privilegien hat sie jedoch: ihr Arbeitsplatz bei Simon & Focken ist, im Gegensatz zu dem der anderen Mitarbeiter, immer für sie reserviert, um kräfteraubende Suchen vermeiden zu können. Zudem hat sie direkt am Arbeitsplatz einen Container, in welchem sie die Dinge aufbewahrt, die die Kollegen in den Spint tun. Einfach deshalb, weil sie schlecht Dinge tragen kann, wenn sie zwei Krücken zum Gehen benötigt. Diese kleinen Zugeständnisse waren schon alles, damit Susanne ihren Job barrierefrei erledigen kann. Wenn tatsächlich mal jemand unbedacht Susanne um diese „Vorteile“ am Arbeitsplatz beneidete, hat es bislang immer geholfen, im persönlichen Kontakt die Situation zu erklären und so Verständnis zu erzeugen. Generell findet Susanne viel Unterstützung und Hilfsbereitschaft in ihrem Kollegenkreis.

Wir möchten die gelebte Inklusion noch weiter in unserer täglichen Arbeitswelt als Selbstverständnis etablieren und richten darum einen Fokus nach innen. Inklusion bedeutet für uns nämlich Gleichwertigkeit und Gleichbehandlung. Hier ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Darum sind die behinderten Mitarbeiter bei uns ganz selbstverständlich Teil der normalen Teamstruktur und vergrößern die ohnehin herrschende Vielfältigkeit noch ein bisschen. Manche Teams haben sich bereits vollständig auf ihre Kollegen mit Behinderung eingestellt, an anderen Stellen ist die Balance zwischen dem „extra“ und dem „zu viel“ an Aufmerksamkeit noch optimierbar. Darüber hinaus gibt es viele ergänzende Regelungen zu beachten, die im Zusammenhang mit der Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben stehen. Der Anspruch auf behindertengerechte Beschäftigung, der zum Beispiel  die äußeren Rahmenbedingungen wie im Fall von Susanne meint, ist nur eine Facette des umfangreichen Kataloges. Nähere Informationen zu den Regelungen gibt es unter anderem hier: //www.talentplus.de.

Der zweite Fokus ist auf den Arbeitsmarkt gerichtet. Wir möchten gern je nach Qualifikation auch weitere Mitarbeiter mit einem Handikap einstellen. Bei der anstehenden Rekrutierungswelle soll darum noch aktiver auf potentielle Arbeitnehmer mit Behinderungen zugegangen werden. Dieses Unterfangen ist für uns ein wichtiger Schritt, bei dem wir tatsächlich auch bereits viel gelernt haben. Denn wahrhafte Gleichstellung zu erzeugen, egal in welchem Bereich, erfordert viel Achtsamkeit. Die behindertengerechten Toiletten und Aufgänge sind dabei nur die äußeren Symbole, nicht minder wichtig sind die innere Einstellung und der Willen dazu, reale Gleichberechtigung für alle Mitmenschen leben zu wollen. Die Werte Offenheit, Ehrlichkeit und Menschlichkeit, die in der gesamten Unternehmensgruppe über allem stehen, sind eine solide Ausgangsbasis.

Menschen wie Susanne G. und wie Jens Mesenbring bereichern unser aller Erfahrungsschatz und erweitern unseren Horizont. Weil uns Vielfältigkeit wichtig ist.

 

Über Uns

Die Invitel Unternehmensgruppe ist einer der führenden Anbieter für Prozess-Services in Deutschland. 15 Unternehmen in 3 Marken unter dem Dach der Invitel Unternehmensgruppe setzen je nach Aufgabenstellung individuelle Projekte für Unternehmenskunden im Netzwerk um.

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