Gelebte Vielfalt, Teil 2: Inklusion meets BEM

StefanIn unserem ersten Blog zum Thema Inklusion berichteten wir schon ein wenig über die Arbeit der Schwerbehindertenvertreter. Diese bilden intern die Schnittstelle zwischen Arbeitnehmern mit Handicap und Arbeitgeber, um gemeinsam die richtigen Rahmenbedingungen für das Arbeitsverhältnis zu schaffen. Heute wollen wir noch ein bisschen tiefer eintauchen in die Materie, und dafür haben wir uns mit Stefan Schulze getroffen, seines Zeichens Agent und Schwerbehindertenvertreter (SBV) in Helmstedt.

Als Diabetiker selbst „schwerbehindert“ eingestuft, kümmert sich der gewählte Vertreter der (schwer-) behinderten Arbeitnehmer am Gründungsstandort von Invitel darum, dass diese unter adäquaten Rahmenbedingungen ihrer Arbeit nachgehen können. Im Gespräch erfuhren wir, was so alles dazugehört. Eine neue, große Rolle spielt dabei auch das kürzlich eingeführte BEM: das betriebliche Eingliederungsmanagement. Dieses sieht vor, dass Mitarbeiter, welche innerhalb von zwölf Monaten länger als 6 Wochen krankgeschrieben waren, mit Vertretern des Arbeitgebers ins Gespräch kommen. Ziel ist es herauszufinden, welche Maßnahmen im betrieblichen Rahmen des Jobs zur Aufrechterhaltung der Gesundheit beitragen können und diese gemeinsam umzusetzen. Stefan gehört auch zum „BEM-Team“ Helmstedt. 

Stefan, bevor wir richtig loslegen – was hat dich motiviert, dieses Amt des SBV zu übernehmen?

Der Wunsch, den Betriebsrat zu unterstützen. Meine Wirkungsmacht ist natürlich eingeschränkt, ich kann nicht alles verändern. Aber ich kann anfangen, „vor meiner eigenen Haustür zu kehren“, wie man so schön sagt. Nun gehe ich erst mal kleinere Dinge Schritt für Schritt an, um etwas zu erreichen. Und das geht in einem Gremium wie dem Betriebsrat auch besser, als als Einzelkämpfer. Man bekommt viel mehr Dinge mit und kann versuchen, konstruktiven Einfluss zu nehmen, wie z.B. in Sachen BEM.

Was hat das BEM mit deinem Job als Schwerbehindertenvertreter zu tun?

Beides, das betriebliche Eingliederungsmanagement und die Fürsorge für behinderte Mitarbeiter sind Teile des Gesundheitsmanagements eines Unternehmens, welches gesunde Mitarbeiter haben möchte und welches auch die Krankenquote senken möchte. Im Zuge des BEMs kann man Präventivmaßnahmen ergreifen, z.B. durch eine Gefährdungsbeurteilung der einzelnen Sitzplätze. In Helmstedt laufen bereits Bemühungen dahingehend. Es gab hier eine Mitarbeiterbefragung, die ausgewertet wurde und aus der Maßnahmen abgeleitet werden. Das Ergebnis ist erst einmal ein großer Wunsch nach einem ergonomischen Arbeitsplatz. Stress entsteht nämlich nicht nur durch vorgegebene Zeiten für Calls, sondern kann im gesamten Umfeld liegen. Alle Themen, die aufkamen, werden nun nach und nach abgearbeitet. Das greift natürlich nicht sofort, aber die Mitarbeiter spüren, dass da etwas passiert. Sie stellen fest, dass die Befragung etwas bringt, Stück für Stück, und dass es umgesetzt wird.

Wie läuft das BEM an?

Das Ganze ist ja noch nicht richtig eingeführt, darum kann man dazu noch gar nicht viel sagen. Es ist manchmal auch etwas schwierig für die einzelnen Kollegen, so lange am Ball zu bleiben, bis die notwendige Anschaffung getätigt wurde, da muss ja ein Prozess eingehalten werden. Da die Beschaffung zentral läuft und kein Mitarbeiter mit den entsprechenden Kompetenzen vor Ort ist, erfordert das schon mal einen langen Atem. Hilfreich wäre es zum Beispiel, wenn die Geschäftsführung jemanden benennt, der als Schnittstelle zum BEM-Team am Standort ist und gebündelt mit Befugnissen solche Belange vorantreibt.

HEader Collafe

Wer ist das BEM-Team?

Das BEM-Team kann verschiedenartig zusammengesetzt sein. Es kann z.B. einen Paten geben, vielleicht den Tischnachbarn des Kollegen, der länger weg war und der ihn bei der Umsetzung der BEM-Gesprächsinhalte unterstützt. Es kann auch sein, dass der FASi (Fachkraft für Arbeitssicherheit) von extern dazukommt und die Umsetzung checkt (Platz einstellen). Das kann natürlich auch der Teamleiter sein oder nach Wunsch der Arzt – alles, damit die Person wieder in Arbeit kommt und dem Unternehmen lang erhalten bleibt. Auch ich als SBV stehe zur Verfügung, oder jemand ganz anderes – und wenn es ein Freund vom Sport ist, dem man die nötige Fachkompetenz zutraut. Es kommt komplett darauf an, was vereinbart wurde, wie es dann umgesetzt wird, um die Arbeit leisten zu können.

Was genau kannst du tun für jemanden, der deine Hilfe sucht?

Nun, nehmen wir folgendes Beispiel: Eine Kollegin mit einem Rückenleiden benötigt ein spezielles Keilkissen für ihren Arbeitsplatz. Ich trete in Kontakt mit dem Integrationsamt und finde heraus, inwieweit es Hilfestellung leisten kann. Die Information ist, sie zahlen solche Anschaffungen, aber erst ab einem Wert von 500€. Wäre es so teuer, ginge der Prozess dort weiter. Eine Gefährdungsbeurteilung müsste erstellt werden, die den Bedarf bestätigt. Denn es könnte ja theoretisch auch an etwas anderem liegen: sitzt der Mensch richtig, ist der Rechner richtig gestellt usw. Steht diese Beurteilung für die Anschaffung des Kissens, geht es rein in unsere Prozesse, denn es kostet nur 30 Euro und wird nicht vom Integrationsamt gezahlt. Es wird an die Projektleitung gegeben, diese reicht es weiter an Personal. Personal hat Bedenken, weil der Arbeitnehmer das Kissen ja auch mit nach Hause nehmen könnte. Und an der Stelle kommen wir erst einmal nicht weiter. Gehe ich den Weg über BEM, weil der Mensch die sechs Wochen krank war, ist es aussichtsreicher, weil die Geschäftsführung einen Entscheider bestimmt und Ziele festgelegt hat. Bei beiden sind die Prozesse noch nicht gefestigt, es ist nicht immer ganz eindeutig, welche Informationen wo ankommen, was damit geschieht und wie die Entscheidungen getroffen werden, nach welchen Prioritäten. Inzwischen beschäftigt sich die Standortleitung mit diesem Kissen…

Praktisch versuche ich dann, vieles auch außerhalb der Arbeitszeiten zu regulieren, wenn es geht, oder mal nebenbei. Dann bin ich bei den Betriebsratssitzungen immer mit dabei. Daraus ergeben sich auch Aufgaben, die ich erledige. Dabei helfen mir meine Kontakte in den anderen Stellen, die sich mit Inklusion beschäftigen, zum Beispiel mein Ansprechpartner beim Integrationsamt in Hildesheim, welches für uns zuständig ist.

Was ist einem behinderten Menschen, der einen Job sucht, wichtig?

Mir wäre wichtig, dass ich in ein offenes Team aufgenommen würde, das mich und meine Behinderung akzeptiert und auch tatsächlich in bestimmten Situationen Rücksicht nehmen kann. Inklusion bedeutet ja aber auch miteinander und voneinander zu lernen. Alle Seiten können von dieser Situation profitieren. Hier vor Ort haben wir z.B. auch noch andere Diabetiker, das ist super. Da gibt es viel Austausch. Kürzlich war eine Kollegin schwanger und hatte Sorge, sie könnte von Schwangerschaftsdiabetes betroffen sein. Da konnten wir natürlich hilfreich zur Seite stehen. Aber das geht natürlich nicht so einfach mit jeder Art von Behinderung. Bei einer Depression müsste ich schon länger überlegen, wie davon jemand profitieren kann, da kommt man auch nicht mit Galgenhumor sehr viel weiter. Ein Burnout ist ebenfalls schwierig. Der Stress hat den Menschen ausgebrannt, er „funktioniert“ nur noch und auch das nur noch gerade so. So eine Krise ist heftig und nicht leicht zu bewältigen, denn zusätzliche Ängste, z.B. vor einem möglichen Arbeitsplatzverlust aufgrund der Krankheit (krankheitsbedingte Kündigungen sind bundesweit sehr häufig), wird es immer schlimmer. Die Person muss erst einmal rausgenommen werden. Aber sie ist ja geschult, es wurde in sie investiert. Auch wenn besonders Burnouts wieder „verheilen“ können, so dauert das. Da ist es schön, wenn der Mitarbeiter zurückkommen kann, dann das BEM greift und der Mitarbeiter abgeholt wird. Er soll wieder hineinfinden in seinen Job und Spaß daran haben, er soll wieder durchstarten und Teil des Ganzen sein.

Das Gespräch mit Stefan drehte sich aber auch noch um ganz andere Themen. Was wir noch besprochen haben, gibt es in an anderer Stelle demnächst zu lesen!

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